Kohle und Wasser gibt es nur in Isenburg
Zum Hundertjährigen der Dreieichbahn rollen Dampfross-Sonderfahrten im April 2005 / Platzreservierung ab sofort
Von Peter Holle
Dreieich · 18. November · Ihre erste Chance, per Gleis und Bahndamm den Anschluss an die große weite Welt zu gewinnen, haben die Sprendlinger anno 1846 vergeigt. Da ging die Main-Neckar-Bahn zwischen Frankfurt und Darmstadt in Betrieb - und ließ das Dorf links liegen. Die Bauern wollten nämlich keine Furche Acker für die Schienenstränge hergeben, und so schnauften die Dampfrösser halt fünf Kilometer westlich am zentralen Ort des Ländleins Dreieich vorbei. Aus dem toten Winkel geriet die Gemeinde erst 1905, als am 1. April mit Fähnleinschwenken und Tschingderassabumm die Dreieichbahn startete.
Was genau geschah, ist nicht überliefert. Fest steht: Es standen die im ausklingenden Jugendstil gestalteten Bahnhöfe Buchschlag, Sprendlingen, Dreieichen-/Götzenhain, Offenthal, Urberach und Ober-Roden, die jetzt ausrangiert sind und als Kneipen, Galerien und Warendepots genutzt werden. Und es waren mit Kohle und Wasser angetriebene Dampflokomotiven den Waggons vorgespannt. Mit diesen Anhaltspunkten müssen sich die Aktiven der Anfang der 1980er Jahre gegründeten "Interessengemeinschaft Dreieichbahn" (IGDB) begnügen, wenn sie fürs Wochenende, 2./3. April 2005, das Hundertjährige ausrichten.
Lok-Stress am Weibelfeld
"Bahn frei!" heißt es dann für einen Sonderzug, bei dem eine "sehr betagte Dampflok der Baureihe 52" (IG-Sprecher Alex Müller) ins Geschirr geht, die vom Frankfurter Verein für historische Eisenbahnen in Schuss gehalten und bei diversen Nostalgie-Fahrten auf die Reise geschickt wird. Angehängt sind drei Reisezugwagen und ein Gesellschaftswagen, in dem es zu essen und zu trinken gibt. Mehr Kapazität geht nicht, denn die Lok, die ja auch noch die Fracht von 250 Passagieren transportieren muss, hat da nicht mehr viel zuzusetzen. Des Weiteren sind laut Alex Müller mehr historische Anhängerwagen auch deshalb nicht "drin", weil sie nicht mehr zu den modernen Bahnsteig-Konstruktionen passen.
Der Lok-PS-Leistungsgrenze ist es auch geschuldet, dass die Jubiläums-Sonderzüge am Haltepunkt Weibelfeld zwischen Sprendlingen und Dreieichenhain, der erst seit den 1990ern existiert, nicht stoppen können. Die Strecke steigt hier in der Tat so steil an, dass ohne eine kräftige Portion Kohle und Wasser beim Neustart gar nichts läuft. Doch solcher Kraftstoff kann am Weibelfeld mitnichten nachgefasst werden.
Das geht technisch - die Eisenbahnprofis sprechen von "Nachbetankung" - in der Tat nur noch an einem Bahnhof in der Nähe, dem Neu-Isenburger. Deshalb avanciert der, der mit der historischen Dreieichbahn rein gar nichts zu tun hat, zwangsläufig zum Start und Ziel bei den Sonderfahrten.
"Kein Schleuderpreis"
Zwei Routen stehen im Angebot: Am Samstag, 2. April, pendeln die Züge ab Neu-Isenburg auf der Original-Strecke bis nach Ober-Roden und zurück; am Sonntag, 3., zockeln sie einen 65 Kilometer langen Rundkurs via Ober-Roden/Dieburg/Kranichstein/Langen nach Neu-Isenburg.
Die Tickets sind nicht billig, kosten je nach Waggon-Klasse, Strecke und Alter der Passagiere (Kind oder Erwachsener) zwischen elf und 30 Euro pro Nase. "Das ist kein Schleuderpreis", räumt Müller ein und klagt, "dass wir auch relativ viel Geld an die Bahn bezahlen müssen - einen fünfstelligen Betrag mit "ner zwei vornedran". Überhaupt: "Die Bahn hat sich sehr stark zurückgehalten, die will mit solchen historischen Sachen nichts mehr zu tun haben."
Platzreservierungen seien angezeigt, mahnt Müller und verweist darauf, "dass es sowas in den nächsten 40 Jahren nicht mehr geben wird". Und vielleicht sei das "auch ein schönes Weihnachtsgeschenk".
TICKETS Tel 06103/50670; Fax 06103/5067100, 0, www.IGDB.de;
FAHRPLÄNE: Rathäuser/Stadtwerke Dreieich, Dietzenbach, Neu-Isenburg, Rödermark.

In den ersten 60 Jahren Dreieichbahn schnauften Dampfrösser solchen Kalibers zwischen Buchschlag/Ober-Roden.
1964 folgten Dieselloks, später dieselelektrische Triebwagen.
Quelle: Frankfurter Rundschau
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